20.05.2026 - HHT 26/02 - Parlamentarischer AbendParlamentarischer Abend des hessischen Handwerks
Präsident des Hessischen Handwerktages mahnt Reform des Sozialstaates an
Der Hessische Handwerkstag (HHT) hat zum Parlamentarischen Abend des hessischen Handwerks in den Hessischen Landtag eingeladen. Zu den Gästen zählten Vertreterinnen und Vertreter aus Landespolitik und Handwerk, darunter Landtagspräsidentin Astrid Wallmann und Ministerpräsident Boris Rhein. Im Mittelpunkt stand der Dialog über die Zukunft des Handwerks, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Hessens und die Frage, wie Arbeit wieder stärker von Abgaben entlastet werden kann.
Belastungsgrenze im Handwerk erreicht
HHT-Präsident Stefan Füll rückte in seiner Eröffnungsrede die wachsende Belastung von Betrieben und Beschäftigten durch steigende Lohnzusatzkosten in den Mittelpunkt. Dabei verband er den Appell für eine spürbare Entlastung von Arbeit mit der Forderung nach einer Reform des Sozialstaats.
„Wie kann es sein, dass Betriebe immer mehr aufwenden müssen, während bei den Beschäftigten zugleich immer weniger netto ankommt? Diese Frage bringt vieles auf den Punkt. Sie ist kein Ruf nach weniger Verantwortung. Sie ist kein Widerspruch zu fairer Bezahlung. Und sie ist auch kein Infragestellen sozialer Sicherheit. Aber sie beschreibt ein Problem, das inzwischen an die Substanz geht. Das Handwerk will gute Arbeit gut bezahlen. Doch es erlebt zugleich, dass Arbeit immer teurer wird, ohne dass die Menschen davon entsprechend profitieren“, betonte Füll.
Nach Einschätzung des HHT-Präsidenten reicht diese Entwicklung weit über eine sozialpolitische Detailfrage hinaus. Sie berühre die Zukunftsfähigkeit des Sozialstaats ebenso wie die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands.
Zugleich machte Füll deutlich, dass zentrale Entscheidungen über Sozialversicherungsbeiträge zwar nicht im Hessischen Landtag getroffen würden, politische Haltung jedoch auch auf Landesebene entstehe. Hessen müsse dem Beispiel des Bundeskanzlers folgen und die Reformfähigkeit des Sozialstaats aktiv zum Gegenstand der politischen Debatte machen. Nötig sei ein ehrlicher und fairer Austausch zwischen Politik, Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretungen, aus dem tragfähige Lösungen hervorgehen.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann hob in ihrer Rede mit Blick auf das 80. Landesjubiläum die Verdienste des Handwerks für den Aufbau und den wirtschaftlichen Erfolg Hessens hervor und betonte zugleich den engen Dialog zwischen Landespolitik und Handwerk. Mit ihrer Aussage „Handwerk schafft Zukunft und Handwerk hat Zukunft“ traf sie den Nerv der Zuhörer.
Ministerpräsident Boris Rhein würdigte in seiner Ansprache das Handwerk als prägende Kraft und als unverzichtbaren Partner für die anstehenden Zukunftsaufgaben in Hessen, etwa die Energiewende, die Mobilitätswende, die Digitalisierung oder den Wohnungsbau. Zugleich griff er die von Füll angesprochene Entlastungsfrage auf und machte deutlich, dass Wachstum nur mit handlungsfähigen Betrieben gelingen könne. „Wer mehr Wachstum will, muss die Unternehmen entlasten, nicht belasten“, so der Ministerpräsident. Deshalb habe sich Hessen bewusst gegen die Entlastungsprämie gestellt, um den Betrieben nicht noch mehr aufzubürden.