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21.05.2026 - ARGE 26/04 - Konjunkturumfrage in HessenKonjunkturbericht 1. Quartal 2026

Geschäftslage deutlich eingetrübt, Belebung bleibt aus 

Die wirtschaftliche Lage im hessischen Handwerk hat sich zum Jahresbeginn 2026 deutlich eingetrübt. Die erhoffte Belebung durch saisonale Effekte im Frühjahr oder durch politische Reformentscheidungen ist bislang ausgeblieben. Die aktuelle Geopolitik und der politische Reformstau beeinträchtigen die Geschäftslage deutlich. Laut der aktuellen Konjunkturumfrage der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern (ARGE) ist der Anteil der Betriebe mit einer schlechten Lageeinschätzung auf 22,3 Prozent gestiegen. Damit erreicht dieser Wert ein Niveau, das zuletzt in den Krisenjahren 2020 und 2021 verzeichnet wurde. 

Auch der Blick auf die kommenden Monate bleibt verhalten. Zwar rechnen 23,4 Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung der Geschäftslage, zugleich bleibt der Anteil pessimistischer Betriebe bei über 18 Prozent. Die große Mehrheit der Unternehmen erwartet für das 2. Quartal keine Veränderung. Der Geschäftsklimaindikator verharrt mit 108,6 Punkten nahezu unverändert. 

Preisdruck bleibt größte Belastung

Besonders stark belastet die Betriebe die Entwicklung der Einkaufspreise. 71,5 Prozent der hessischen Handwerksbetriebe meldeten im 1. Quartal gestiegene Kosten, insbesondere für Energie, Materialien, Vorprodukte und Dienstleistungen. Für das 2. Quartal erwarten sogar 76,6 Prozent weitere Preissteigerungen. Höhere Verkaufspreise konnten dagegen nur 38,4 Prozent der Betriebe durchsetzen. Vielen Unternehmen sind wegen des harten Preiswettbewerbs und einer preissensiblen Kundschaft hier enge Grenzen gesetzt. 

Die Umsatzentwicklung bleibt ebenfalls schwach. Die Zahl der Betriebe mit besseren oder gleichbleibenden Umsätzen ist zum Jahresbeginn deutlich zurückgegangen. Nur 65,3 Prozent meldeten gestiegene oder unveränderte Umsätze, nachdem dieser Wert in den drei vorausgegangenen Quartalen jeweils deutlich über 72 Prozent gelegen hatte. Auch bei den Auftragseingängen zeigt sich keine erkennbare Belebung. 19,1 Prozent der Betriebe verzeichneten steigende Aufträge, während gut die Hälfte eine unveränderte Auftragslage meldete. Die Beschäftigungsentwicklung erhielt ebenfalls einen Dämpfer. Nur noch 9,8 Prozent der Betriebe meldeten einen gestiegenen Personalbestand. Zugleich stieg der Anteil der Betriebe mit gesunkenem Personalbestand auf 16,8 Prozent. Neben der konjunkturellen Schwäche wirken hier auch strukturelle Faktoren, etwa das Ausscheiden älterer Beschäftigter und Schwierigkeiten bei der Gewinnung qualifizierter Auszubildender und Fachkräfte. 

Investitionsschwäche gefährdet Zukunftsfähigkeit

Die Investitionsneigung der Betriebe hat sich zum Jahresbeginn erneut abgeschwächt. Nur noch 15,5 Prozent der Handwerksbetriebe meldeten gestiegene Investitionen, während 31,1 Prozent weniger investierten als zuvor. Die hier nun schon seit Jahren bestehende Investitionsschwäche im Handwerk beeinträchtigt die weitere Entwicklung und Zukunftsfähigkeit, da sich neue Produktionsverfahren, Maschinen und Qualifikationen der Mitarbeiter zu langsam durchsetzen. 

Branchenspezifisch zeigt sich ein gemischtes Bild. Das Bauhauptgewerbe verliert seine frühere Zugpferdfunktion. Das Kfz-Handwerk bleibt dagegen vergleichsweise optimistisch und erreicht mit 119,3 Punkten den höchsten Geschäftsklimaindex unter den Handwerksgruppen. Deutlich schwächer fällt die Lage im Nahrungsmittelhandwerk aus, dessen Geschäftsklimaindex auf 93,1 Punkte sinkt. 

Frank Dittmar, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern, erklärt: „Die Ergebnisse zeigen, dass das hessische Handwerk weiterhin unter erheblichem Druck steht. Viele Betriebe arbeiten hart, aber sie treffen auf ein Umfeld, das Investitionen, Beschäftigung und Wachstum erschwert. Entscheidend ist jetzt, dass öffentliche Investitionsmittel zügig in konkrete Aufträge zur Verbesserung der Infrastruktur münden. Zugleich braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, bezahlbare Energie, weniger Bürokratie und ein tragfähiges Gesamtkonzept für neues Wachstum.“