15.01.2026 - HHT 01/26 - JahreskonjunkturberichtJahrespressekonferenz 2026
Hessisches Handwerk warnt vor weiter steigenden Belastungen auf Jahrespressekonferenz
Auf der heutigen Jahrespressekonferenz des Hessischen Handwerkstages (HHT) in Wiesbaden haben HHT-Präsident Stefan Füll, HHT-Vizepräsident Alexander Repp und HHT-Geschäftsführer Pierre Schlosser über die aktuellen Themen berichtet, die das hessische Handwerk derzeit beschäftigen.
HHT-Präsident Stefan Füll warf zunächst einen Blick zurück auf die konjunkturelle Entwicklung im Jahr 2025 und gab zugleich einen Ausblick auf das Jahr 2026. So zeigte sich zu Beginn des Jahres 2025 zunächst eine Verbesserung der Geschäftslage. Dieser Effekt erwies sich jedoch nicht als nachhaltig. In der zweiten Jahreshälfte trübte sich die Stimmung deutlich ein. Im dritten Quartal stieg der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage von 14 auf 18 Prozent und erreichte damit erneut das Niveau vom Jahresende 2024. Besonders im Bau- und Ausbauhandwerk verschlechterten sich die Erwartungen für die Wintermonate spürbar. Die Auftragslage blieb insgesamt angespannt. Rund ein Drittel der Betriebe meldete rückläufige Auftragseingänge, bereits zum zweiten Jahr in Folge. Die durchschnittliche Auftragsreichweite sank von 9 auf 8 Wochen. Gleichzeitig belasteten steigende Preise für Energie, Dienstleistungen und Vorprodukte die Betriebe. Mehr als die Hälfte der Unternehmen verzeichnete weiterhin steigende Einkaufspreise, während diese nur teilweise weitergegeben werden konnten. Die Investitionsbereitschaft ging 2025 erneut zurück. Der Personalbestand blieb hingegen weitgehend stabil.
Prognose für das aktuelle Jahr 2026
„Für 2026 schließt sich das hessische Handwerk der bundesweiten Erwartung eines moderaten Umsatzzuwachses von rund 1 Prozent an, der inflationsbereinigt voraussichtlich kein reales Wachstum bedeutet. Gleichzeitig bleiben die strukturellen Belastungen durch gestiegene Personal-, Energie- und Vorleistungskosten hoch. Trotz der angespannten Lage zeigt sich das Handwerk widerstandsfähig und als ein stabiler Faktor für Wirtschaft und Beschäftigung. Voraussetzung für einen Aufschwung sind größere öffentliche Investitionen sowie verlässliche finanzielle, steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen, die Vertrauen schaffen und Investitions- und Konsumentscheidungen ermöglichen“, so Füll. Den gesamten Konjunkturbericht gibt es unter www.handwerk-hessen.de.
Stabile Betriebszahlen und anhaltende Herausforderungen bei Ausbildung
HHT-Vizepräsident Alexander Repp ging im Anschluss auf die Ausbildungs- und Fachkräftesituation im hessischen Handwerk ein. Der Betriebsbestand im hessischen Handwerk blieb 2025 insgesamt stabil. Zum Jahresende waren 78.532 Betriebe eingetragen, ein Plus von 66 Betrieben beziehungsweise von 0,1 Prozent. Die bundesweit stark gestiegene Zahl der Insolvenzen habe sich bislang nicht in gleichem Maße im hessischen Handwerk niedergeschlagen, werde jedoch aufmerksam beobachtet.
Parallel bleibt die Ausbildungs- und Fachkräftesituation eine zentrale Herausforderung. Im Ausbildungsjahr 2025 wurden 9.935 neue Lehrverträge abgeschlossen, 77 mehr als im Vorjahr, jedoch weiterhin weniger als vor der Corona-Pandemie 2019 mit 10.357 Verträgen. Es mangele nicht an Ausbildungsstellen, sondern an Bewerberinnen und Bewerbern. „Ausbildung ist die Grundlage der Fachkräftesicherung. Wo sie heute ausbleibt, fehlen morgen Fachkräfte, Gesellinnen und Gesellen, Meisterinnen und Meister sowie künftige Ausbilderinnen und Ausbilder“, so Repp. Das Handwerk investiere daher intensiv in Berufsorientierung und Nachwuchsgewinnung. Entscheidend bleibe jedoch die Ausbildung in den Betrieben vor Ort.
Steigende Sozialabgaben belasten Betriebe und Beschäftigte
HHT-Geschäftsführer Pierre Schlosser beleuchtete abschließend die Finanzierung des Sozialstaates und die wachsenden Belastungen für Betriebe und Beschäftigte. Er verwies darauf, dass die Ausgaben in den sozialen Sicherungssystemen seit Jahren schneller steigen als die Einnahmen, insbesondere in der gesetzlichen Krankenversicherung. Zum Jahresbeginn 2026 erhöhten zahlreiche Krankenkassen erneut ihre Zusatzbeiträge.
Der demografische Wandel verschärft die Situation zusätzlich. Mit dem Renteneintritt der Babyboomer wächst die Zahl der Leistungsempfänger stärker als die der Beitragszahler. Für 2026 liegt die Belastung der Beschäftigten durch Sozialabgaben bereits bei über 21 Prozent des Bruttolohns. Steigende Sozialabgaben treffen Arbeitnehmer und Betriebe gleichermaßen. Während den Beschäftigten weniger Netto bleibt, steigen für die Betriebe die Lohnnebenkosten weiter an.
Besonders betroffen davon ist das personalintensive Handwerk. So machen beispielsweise im Maler- und Lackiererhandwerk Personalkosten schätzungsweise 80 bis 85 Prozent der Gesamtkosten aus. „Steigende Sozialabgaben engen die wirtschaftlichen Spielräume der Betriebe stark ein. Arbeit muss bezahlbar bleiben. Deshalb brauchen wir eine verlässliche Obergrenze für Sozialabgaben und eine ehrliche Reformdiskussion zur Finanzierung des Sozialstaates“, betonte Schlosser.