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Konjunktur 2. Quartal 2021

11.08.2021 - ARGE 21/08 - Konjunktur im hessischen Handwerk

Hessisches Handwerk überwindet Corona-Krise
Fachkräftemangel bremst weiteres Wachstum 

Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen haben im 2. Quartal 2021 für eine dynamische Entwicklung im hessischen Handwerk gesorgt. Die aktuelle Geschäftslage des hessischen Handwerks hat sich entsprechend merklich aufgehellt. Knapp die Hälfte der in der aktuellen Konjunkturumfrage befragten Handwerksbetriebe berichten von einer guten Geschäftslage, 37 Prozent halten sie für befriedigend und 18 Prozent für schlecht. Die erfreuliche Entwicklung der Lageeinschätzung lässt den Geschäftsklimaindikator um 12 Indexpunkte auf 114 steigen. Mit Blick auf Größenklassen zeigt sich, dass für die Solo-Selbständigen mit 92 Indexpunkten die Corona-Krise noch immer nicht ausgestanden ist. Gegenüber dem Vorquartal hat sich aber auch deren Lage zumindest wieder etwas stabilisiert. 

Materialknappheit führt zu Preissteigerungen 

„Eine hohe Wachstumsrate in den kommenden Monaten ist aber damit nicht ausgemacht, denn Material- und Vorprodukteknappheit führen zu enormen Preissteigerungen. Diese Entwicklung dürfte auf die hessische Handwerkskonjunktur bremsend wirken“, bemerkte die Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern, Susanne Haus. Insbesondere den Baubetrieben und den Zulieferern mit ihren in der Regel langfristigen Lieferverträgen sowie den Nahrungsmittelhandwerkern sei es mehrheitlich nicht gelungen, die Verkaufspreise anzuheben. Trotzdem war die überwiegende Zahl dieser Betriebe mit höheren Einkaufspreisen konfrontiert. 

Das Problem des Fachkräftemangels habe sich Haus zufolge ebenfalls verstärkt. „Die konjunkturelle Belebung führt leider nicht dazu, dass weitverbreitet die Zahl der Beschäftigten steigt. Vermutlich hat die Corona-Krise den Fachkräftemangel teils sogar noch befeuert, wenn Mitarbeiter in Zeiten der Betriebsstilllegung abgewandert sind und nun den Handwerksbetrieben nicht mehr zur Verfügung stehen“, meinte die Handwerkspräsidentin. 

Die zahlenmäßig größte Handwerksgruppe sind die Betriebe des Ausbaugewerbes (u.a. Elektrotechniker, Installateure und Heizungsbauer). Diese Branche hat es geschafft, an das Vorkrisenniveau anzuknüpfen. Mit Auftragsbeständen von 11 Wochen und einer Kapazitätsauslastung von 88 Prozent werden Höchstwerte erreicht. Die Kfz-Handwerke gehören zu den Handwerksgruppen, die durch die Corona-Pandemie besonders stark zurückgeworfen wurden. Neben dem verminderten Verkehrsaufkommen litt die Branche zusätzlich unter dem Wegfall der aufgrund der Mehrwertsteuersenkung ins Jahr 2020 vorgezogenen Käufe. Nun endlich kann die Branche etwas aufatmen, die Menschen fahren wieder vermehrt mit dem Auto zur Arbeit oder in die Ferien und die Zulassungszahlen haben sich aufgrund des Elektro-Booms etwas erholt.

Auch die Lage der Nahrungsmittelhandwerker hat sich entspannt. Bäcker, Metzger und Konditoren sind wieder zufriedener und immerhin jeder vierte Betrieb dieser Gruppe erwartet für das kommende Quartal eine Umsatzsteigerung. Dahinter steht vermutlich die Hoffnung, dass sich die Umsätze im Gastronomie- und Zulieferbereich mit den Lockerungen wieder normalisieren. 

Vorsichtiger Blick in die Zukunft 

Obwohl die Impfquoten gestiegen sind und sich die Geschäftslage erholt hat, bleibt die weitere Entwicklung von Unsicherheit geprägt. Zahlreiche Risiken überschatten den Blick in die nahe Zukunft: Das Aufkommen neuer Virus-Varianten, das Nachlassen beim Impftempo, internationaler Protektionismus und stockende Lieferketten sowie die hohe Verschuldung der öffentlichen Hand. Es gibt viele gute Gründe, weshalb die hessischen Handwerksbetriebe äußerst vorsichtig in die Zukunft blicken. 14 Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage im nächsten Quartal, aber 12 Prozent eine Verschlechterung. Haus: „Nach der langen Corona-Durststrecke hätte man hier größeren Optimismus erwarten können.“