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Gespräch DGB/ARGE

22.07.2021 - ARGE 21/07a - DGB- und ARGE-Vertreter im Gespräch

DGB und Handwerkskammern im Gespräch

Der DGB Hessen-Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern setzen sich dafür ein, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt und die Handwerksbetriebe möglichst gering zu halten.

Trotz erheblicher Belastungen ist es den hessischen Handwerksbetrieben bisher gelungen, weitgehend stabil durch die letzten Monate zu kommen. Diese Entwicklung darf nun nicht gefährdet werden, sind sich Handwerks- und Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertreter einig.

Neues „Praktikumsfenster“ zur Berufsorientierung

Im zurückliegenden Jahr war es für die Ausbildungsbetriebe und interessierte Schulabgänger und Schulabgängerinnen außerordentlich schwierig, zusammenzufinden, beschreibt Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, die Situation. Es gab coronabedingt kaum oder keine Ausbildungsmessen, Berufs-Info-Tage, Berufsorientierungsmaßnahmen und Schulpraktika. Angesichts der aktuell niedrigen Inzidenzahlen laufen die Aktivitäten langsam wieder an. "Es braucht aber dringend ein zusätzliches „Praktikumsfenster“ zu Beginn des neuen Schuljahres, um den Schülerinnen und Schülern Einblick in das praktische Berufsleben zu geben", so Rudolph. Susanne Haus, frisch gewählte Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern ergänzt: "Unsere Betriebe warten dringend auf Schülerpraktikanten und -praktikantinnen, um ihnen die Attraktivität der handwerklichen Berufe präsentieren zu können." Im Handwerk würden noch händeringend Auszubildende gesucht, um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern. Die Schulverwaltung müsse hier über ihren Schatten springen und für Schülerpraktika ein neues Zeitfenster anbieten. "Bei allem Verständnis für die Anstrengungen zum Aufholen von Unterrichtsinhalten darf die Berufsorientierung nicht vergessen werden", so die Präsidentin.

Ausbildung in der Kurzarbeit

Ein weiteres Handlungsfeld sehen die Handwerkskammern beim Kurzarbeitergeld. Es könne nicht sein, dass Auszubildende bei der Antragstellung von Kurzarbeitergeld nicht berücksichtigt werden. Während der zurückliegenden Lockdowns haben beispielsweise hunderte von Friseurbetrieben Kurzarbeit für ihre Beschäftigten anmelden müssen, da die Betriebe insgesamt 17 Wochen geschlossen waren. Die Auszubildenden werden dabei allerdings nicht berücksichtigt. "Zwei mal sechs Wochen mussten die Betriebe Ausbildungsvergütung zahlen, während sie coronabedingt geschlossen waren. Eine reguläre Ausbildung war in dieser Zeit unmöglich, zahlen mussten wir trotzdem.", beklagte Rolph Limbacher, Vizepräsident der Kammer Kassel. Da Auszubildende aus rechtlichen und praktischen Gründen nicht unter die Kurzarbeiterregeln fallen, braucht es andere Formen der finanziellen und praktischen Unterstützung, waren sich Handwerks- und Gewerkschaftsvertreter einig. Um die Auszubildenden dabei nicht schlechter zu stellen, wären die Betriebe bereit, die Differenz zu tragen.

Michael Rudolph betonte ebenfalls die schwierige Lage der Betriebe und ihrer Auszubildenden, verdeutlichte dazu aber den gewerkschaftlichen Standpunkt, dass die Ausbildung eben gerade kein normales Arbeitsverhältnis sondern ein Lernverhältnis ist. Damit stehe die Ausbildung und Qualifizierung der Jugendlichen im Mittelpunkt. Betriebe die ihre Ausbildung fortführen und die Auszubildenden und Ausbilder nicht in Kurzarbeit schicken, können über das das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ Förderung beantragen. „Die Fortführung und der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung bleibt für uns die Priorität. Wir sind uns darin mit der Wirtschaft einig, dass wir keine Corona-Berufsabschlüsse wollen, die die Azubis auf ihrem zukünftigen Berufsweg beeinträchtigen. Damit wäre allen geholfen – den Azubis und den Betrieben“, so Rudolph.

Material- und Rohstoffknappheit

Dringenden Handlungsbedarf sehen die Handwerkskammern und der DGB bei den aktuell massiven Steigerungen der Material- und Rohstoffpreise. "Es kann nicht sein, dass Betrieben, welche die Pandemie einigermaßen überstanden haben, nun durch Materialpreissteigerungen und Lieferengpässe das Genick gebrochen wird", beklagt Präsidentin Haus. Baustellen ständen still, Maßnahmen zur energetischen Sanierung verteuern sich massiv oder werden ausgesetzt, weil Baumaterial wie Holz, Dämmung, Farbe etc. nicht oder nur zu doppelten oder dreifachen Preisen lieferbar sind. Private Bauherren zeigten teilweise Verständnis und ließen sich z. B. auf verlängerte Lieferfristen oder Preisgleitklauseln ein. "Aber auch die Öffentliche Hand als wichtiger Auftraggeber für das Handwerk muss Flexibilität zeigen, auf Vertragssanktionen verzichten, Preisgleitklauseln akzeptieren und Abschlagszahlungen zur Vorfinanzierung von Baumaterial leisten.", forderte Präsidentin Haus. Hier braucht es die klare Anweisung seitens der Landesregierung, damit die vergebenden Stellen bei Land, Kreis und Kommunen rechtssicher handeln und keine nachträglichen Schwierigkeiten bei kulantem Handeln zu befürchten haben, sind sich die Vertreterinnen und Vertreter der Handwerkskammern und des DGB einig.