Corona Virus
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Beschäftigte im hessischen Handwerk bei der Impfkampagne nicht vergessen

14.06.2021 - HHT 21/06 - Beschäftigte im Handwerk bei der Impfkampagne nicht vergessen

Beschäftigte im hessischen Handwerk bei der Impfkampagne nicht vergessen

Impfungen in Betrieben sind, neben Hausarztpraxen und Impfzentren, eine wichtige dritte Säule der Impfkampagne. „Dass Betriebsärzte nun breit an der Impfkampagne beteiligt werden, wird das Impftempo weiter beschleunigen“, sagte der Präsident des Hessischen Handwerkstages, Stefan Füll. Allerdings gibt der Handwerkspräsident zu bedenken, dass das Handwerk kleinbetrieblich strukturiert sei und Handwerksbetriebe durchschnittlich lediglich sechs Beschäftigte haben. Die meisten Betriebe hätten weder einen eigenen Betriebsarzt noch die notwendigen Strukturen, um eine eigene Impfkampagne zu organisieren. 

„Wir haben die Sorge, dass einige Zehntausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im hessischen Handwerk beim betrieblichen Impfen vergessen werden, weil ihre Betriebe nicht über dieselbe Infrastruktur wie Großbetriebe verfügen“, so Füll. Es sei für ihn unverständlich, warum beispielsweise auch Verwaltungsmitarbeiter großer Unternehmen, die evtl. sogar im Homeoffice arbeiten, nun schneller eine Impfung erhalten als ein Handwerker mit täglich wechselndem Kundenkontakt. Diese Ungleichbehandlung werde dann noch größer, wenn zukünftig die Betriebsärzte auch Familienangehörige impfen. 

Füll appellierte an Politik und große Betriebe, dass dort, wo im Handwerk Impfungen nicht durch eigene Betriebsärzte oder unmittelbar in den Betrieben erfolgen können, Großunternehmen auch Beschäftigte von kleineren Betrieben, mitimpfen sollten. Zudem bereite beispielsweise im Baubereich der dortige arbeitsmedizinische Dienst der Berufsgenossenschaft BG Bau Impfangebote vor. Kein Verständnis hat der Handwerkspräsident dafür, dass bei einer Impfung über den arbeitsmedizinischen Dienst eine Aufwandspauschale von 39 Euro pro Impfung für die Betriebe fällig wird, weil das Bundesamt für Soziale Sicherung Impfungen nicht als Leistungen der Berufsgenossenschaft einstuft. 

Bei der Suche nach einem Betriebsarzt, der zeitnahe Impfungen durchführen kann, könnten sowohl die Berufsgenossenschaften helfen, wie auch die auf der gemeinsamen Internetseite der vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft www.wirtschaftimpftgegencorona.de verlinkten Plattformen zur Betriebsarztsuche. 

Bei der Pandemiebekämpfung komme es Füll zufolge eben auch auf kleinere Betriebe an. Die 75.500 hessischen Handwerksbetriebe mit ihren knapp 370.000 Beschäftigten und 25.000 Lehrlingen seien schließlich die Wirtschaftsmacht von nebenan.