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Halbjahreskonjunktur

26.07.2018 - ARGE 18/08 - Anzahl der Handwerksbetriebe in Hessen leicht rückläufig

Meistergeführte Betriebe mit stärkstem Rückgang

Die Zahl der Handwerksbetriebe in Hessen ist im ersten Halbjahr 2018 leicht gesunken. Zum 30. Juni 2018 gab es 74.129 Handwerksbetriebe, was einem Rückgang von 147 Betrieben oder 0,2 Prozent im Vergleich zum 31. Dezember 2017 entspricht. Nach Angaben des Geschäftsführers der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern, Bernhard Mundschenk, ist dieser Rückgang in erster Linie auf die Abnahme der zulassungspflichtigen Handwerke zurückzuführen. Bei diesen Handwerken, wo grundsätzlich der Meisterbrief Voraussetzung für eine Betriebsgründung ist, ist die Anzahl der Betriebe um 0,5 Prozent bzw. 218 Betriebe auf 39.678 Unternehmen gesunken. 

Die meisten Rückgänge gab es bei den Tischlern (-40), Elektrotechnikern (-34) und Fleischern (-25). Mundschenk zufolge hätten viele Betriebsinhaber in diesen Gewerken Schwierigkeiten einen Nachfolger zu finden. Bei den zulassungsfreien Handwerken gab es hingegen eine leichte Zunahme. Hier stieg die Zahl der Betriebe um 0,3 Prozent bzw. 62 Betriebe auf 22.342. Das Gewerk mit den stärksten Abgängen war im ersten Halbjahr 2018 das Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk. Hessenweit sank deren Zahl um 128 Betriebe.

„Nord-Süd-Gefälle“ in Hessen

Auffällig ist, dass es bei den Betriebszahlen in den Bezirken der drei hessischen Handwerkskammern Kassel, Frankfurt-Rhein-Main und Wiesbaden ein gewisses “Nord-Süd-Gefälle“ im ersten Halbjahr gibt. Während es im Bezirk der Handwerkskammer Kassel ein Plus von 0,6 Prozent (+103 Betriebe) gab, reduzierte sich umgekehrt bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main die Betriebszahl um 0,6 Prozent (-178 Betriebe) und bei der Handwerkskammer Wiesbaden leicht um 0,3 Prozent (-72 Betriebe). 

Insgesamt zugenommen hat in Hessen der Anteil der Betriebe mit Inhabern aus den EU-Beitrittsländern, deren Zahl um 889 Betriebe auf jetzt insgesamt 8.693 gestiegen ist. Weit an der Spitze liegt insoweit das Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk, wo mehr als 50 Prozent der fast 6.300 Betriebe in Hessen einen Inhaber aus den EU-Beitrittsländern haben.

 

Zur Erläuterung: 

Nach der Handwerksordnung, dem 1953 eingeführten und mehrfach novellierten Regelwerk für den Wirtschaftsbereich Handwerk, werden die 147 Handwerke und handwerksähnlichen Gewerbe in die drei folgenden Gruppen unterteilt: 

1. Zulassungspflichtige Handwerke (Anlage A der Handwerksordnung) 

41 Handwerke, für deren Ausübung ein Befähigungsnachweis (bestandene Meisterprüfung oder gleichwertiger Abschluss staatlich anerkannter Bildungseinrichtungen) bzw. erteilte Ausnahmebewilligungen und Ausübungsberechtigungen vorgeschrieben sind. 



2. Zulassungsfreie Handwerke (Anlage B1 der Handwerksordnung) 

52 Handwerke, für deren Ausübung kein Befähigungsnachweis vorgeschrieben ist, der aber gleichwohl als Qualifikationsnachweis auf freiwilliger Basis möglich ist. 



3. Handwerksähnliche Gewerbe (Anlage B2 der Handwerksordnung) 

54 handwerksähnliche Gewerbe, die ohne nachgewiesene Qualifikationsnachweise ausgeübt werden dürfen.