Ein Taschenrechner liegt auf den Zahlen einer Bilanz uns Statistik. Symbolphoto für Umsatz, Gewinn und Kosten.
Erwin Wodicka - wodicka@aon.at
Ein Taschenrechner liegt auf den Zahlen einer Bilanz uns Statistik. Symbolphoto für Umsatz, Gewinn und Kosten.

Ehinger erwartet 2018 ein Wachstum von 3 Prozent

09.01.2018 HHT 18/01 - Konjunkturprognose

Zufriedener Rückblick und optimistischer Ausblick
Ehinger erwartet 2018 ein Wachstum von 3 Prozent 

Das hessische Handwerk blickt nach dem Konjunkturbericht des Hessischen Handwerkstages (HHT) zum siebten Mal in Folge auf ein wirtschaftlich gut verlaufenes Jahr zurück und schaut mit Optimismus auf das Jahr 2018. Laut HHT-Präsident Bernd Ehinger berichten 88,7 Prozent der befragten Betriebsinhaber in 2017 über eine zufriedenstellende bis gute Geschäftslage. Im Jahr 2016 waren es mit 86,5 Prozent gut zwei Prozentpunkte weniger. „In Hessen wird anhaltend viel in die Sanierung von Bestandsimmobilien oder neue Wohn- und Gewerbebauten investiert“, so Ehinger. Entsprechend überdurchschnittlich zufrieden seien die Bau- und Ausbauhandwerke. Aufgrund des sich verschärfenden Fachkräftemangels würden zahlreiche Betriebe allerdings mittlerweile an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. 

Das hessische Handwerk sei auch für 2018 weiter optimistisch und rechne mit einer Steigerung des Umsatzes um ca. drei Prozent. Insbesondere die Handwerksgruppen Bau und Ausbau sollten Ehinger zufolge im gerade begonnenen Jahr nach wie vor führend in der Handwerkskonjunktur sein. Viele Menschen investieren in Sachwerte und energetische Modernisierungen an selbst genutzten oder vermieteten Immobilien. Zudem belegten die weiterhin hohe Zahlen in der Baugenehmigungsstatistik den andauernden Immobilienboom in Neubau und Sanierung. 

Handwerk steigert Ausbildungszahlen

 Im offiziellen Zählzeitraum 1. Oktober 2016 bis 30. September 2017 konnten nach Angaben Ehingers bei den drei hessischen Handwerkskammern 10.390 neue Lehrverträge, darunter ca. 900 mit Flüchtlingen aus den Hauptherkunftsländern, eingetragen werden. Dies entspricht einem Zuwachs von 3,4 Prozent. Dies sei eine bemerkenswerte Leistung der Betriebe, für die es angesichts der rückläufigen Schulabgängerzahlen und des steigenden Anteils von Abiturienten immer schwieriger werde Ausbildungsplätze zu besetzen, meinte Ehinger, der aber auch auf die über 800 freien Lehrstellen im hessischen Handwerk verwies. 

Digitalisierungsberater unterstützen Betriebsinhaber 

Mit Blick auf den digitalen Wandel verwies HHT-Vizepräsident Jochen Honikel auf die damit verbundenen Chancen für Handwerksbetriebe. „Die zentrale Voraussetzung in der Infrastruktur ist dabei allerdings der Breitbandausbau, und zwar nicht nur für die großen Gewerbeflächen in den großen Städten und Zentren, sondern eben auch für jedes kleine Gewerbegebiet in der Fläche.

Um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe sicherzustellen, müssen wir sie bei der digitalen Transformation beraten und unterstützen“, so Honikel. Er freue sich, dass die Landesregierung die digitale Transformation im Handwerk durch die Förderung von Digitalisierungsberatern finanziell unterstütze. Honikel äußerte zudem die Hoffnung, dass es nach bayerischem Vorbild ("Digital-Bonus") künftig auch in Hessen einen Zuschuss für kleine und mittlere Unternehmen für ihre interne Digitalisierung geben werde. 

Gegen Fahrverbote und „Blaue Plakette“ 

„Unter den Handwerksbetrieben herrscht erhebliche Verunsicherung, wie es um den Fortbestand ihrer Fahrzeugflotten steht, die mehrheitlich aus Diesel-Fahrzeugen bestehen“, sagte Handwerkspräsident Ehinger. Trotz der Haltung der hessischen Landesregierung gegen ein generelles Fahrverbot für Dieselfahrzeuge gebe die aktuelle Diskussion Anlass zur Sorge, denn auch die Einführung einer „Blauen Plakette“ würde das Handwerk schwer treffen. Ehinger: „Unsere Betriebe müssen mit ihren Nutzfahrzeugen zum Kunden und auf die Baustelle – da gibt es keine Alternativen. Heizkessel können nun mal nicht mit der Straßenbahn oder dem Lastenfahrrad transportiert werden.“ 

Ehinger äußerte die Hoffnung, dass leichte Nutzfahrzeuge technisch so nachgerüstet werden können, dass Stickstoffoxidemissionen auf Euro-6-Niveau erreicht werden. „Mit bloßen Software-Updates ist es jedoch nicht getan. Vielmehr sind umfangreiche Nachrüstungen, und zwar auf Kosten der Hersteller, technisch möglich und sachlich notwendig“, meinte Ehinger, der Rechts- und Planungssicherheit und Vertrauensschutz für die übliche Nutzungsdauer der Fahrzeuge anstelle einer aufgeheizten Anti-Diesel-Debatte forderte. 

Infrastruktur: Handwerk fordert Mobilitätsoffensive 

HHT-Geschäftsführer Bernhard Mundschenk sprach sich für umfangreiche Investitionen in Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur aus. Als Transitland Nr. 1 mit enormer Verkehrsbelastung und immenser Baustellendichte setze das Handwerk auf eine neue Mobilitätsoffensive. Neben dem zügigen Abbau des Investitionsstaus gehört hierzu auch eine Reduzierung der Zahl verkehrsrechtlicher Vorschriften sowie eine generelle Beschleunigung der überlangen Planungszeiten. Wichtig für das Handwerk ist außerdem, dass leichte und mittelschwere Nutzfahrzeuge bis 7,5 Tonnen nicht in die teure streckenabhängige LKW-Maut einbezogen werden.