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Berufsorientierung umsetzen, Altersarmut vermeiden, Flüchtlinge integrieren

20.09.2017 ARGE 17/04 a - DGB und Handwerkskammern sprechen über Zukunftssaufgaben

Der DGB Hessen-Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern begrüßen ausdrücklich, dass die Berufsorientierung für Schüler aller allgemein bildenden Schulen in Form einer Verordnung fixiert wurde. "Schüler müssen unbedingt mehr darüber erfahren, was sie in Ausbildung oder Studium erwartet, um Enttäuschungen, Fehlentscheidungen und die hohe Zahl der Studien- oder Ausbildungsabbrüche zu verringern", betont Heinrich Gringel, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern.

Gabriele Kailing, Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, hebt dabei hervor: "Ausbildungsplätze im Dualen System mit einer Qualitätssicherung für gute Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, Entwicklungsperspektiven und einer gerechten Bezahlung nach Tarif müssen als attraktive Alternative noch stärker in den Köpfen der Schulabgänger, der Lehrer und der Eltern ankommen".

Handwerk und Gewerkschaftsvertreter zeigen sich überzeugt, dass eine verstärkte Berufsorientierung der Königsweg ist, um unnötige Umwege aufgrund falscher Berufs- oder Studienentscheidungen zu reduzieren. Das nutzt den jungen Menschen persönlich, aber auch dem Bildungssystem und der Volkwirtschaft insgesamt. "Die Verordnung ist der erste Schritt, jetzt steht die flächendeckende Umsetzung an", so Präsident Gringel.

Die Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung wird von beiden Seiten als zentrale Herausforderung der kommenden Jahre angesehen. Wichtig ist nach Auffassung von Handwerk und Gewerkschaft, dass für Flüchtlinge in Sprachkursen und in den sog. InteA-Klassen lückenlos Anschlussangebote gemacht werden müssen, um hier die interessierten und engagierten Absolventen nicht zu demotivieren.

“Ziel muss sein, dass die Menschen in gesicherten Beschäftigungsverhältnissen ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Um sie vor Ausbeutung zu schützen, brauchen wir mehr Beratungseinrichtungen zu Arbeitsrecht und Arbeitsausbeutung, die bei der Durchsetzung ihrer Arbeitnehmerrechte unterstützen“ so Gabriele Kailing. „Es ist oft Überzeugungsarbeit bei Flüchtlingen nötig, dass ein Ausbildungsplatz deutlich mehr Zukunftschancen bietet. Ein einfacher Arbeitsplatz als Helfer wirkt auf den ersten Blick attraktiver, da der Mindestlohn über der Ausbildungsvergütung liegt. Das ist aber zu kurzsichtig", erläutert Präsident Heinrich Gringel.

Laut Präsident Gringel verzeichnen die handwerkseigenen Konjunkturumfragen ein Allzeithoch bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Situation und die ersten vorläufigen Zahlen zum aktuellen Ausbildungsjahr stimmen ebenfalls optimistisch. Die Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Gabriele Kailing fügt hinzu: „Damit sich Beschäftigte im Handwerk keine Sorgen um ihre soziale Altersabsicherung zu machen brauchen, müssen neben dem Ausbau der betrieblichen Altersversorge die gesetzliche Rente umgehend gestärkt und das Rentenniveau wieder deutlich angehoben werden.“